Der alte Mann und ich, Sir Lanzelot

Der alte Mann und ich, Sir Lanzelot


Zitat von Sir Walter Scott:

 

 Katzen sind ein geheimnisvolles Volk,

 In Ihrer Seele bewegt sich mehr als uns  bewusst ist.

Dies ist eine herzzerreißende Geschichte, darüber wie das Leben einer Katze plötzlich aus den Fugen geraten kann. (Lesedauer ~5 Minuten)

„Sir Lanzelot, Sir Lanzelot wo steckst du, ich bin wieder zurück?“ Ich hörte meinen Namen und sprang vom Couchsessel auf und lief zu Hermann der mit seiner Tochter zur Tür herein kam. Hermann war der, der für mich sorgte, er ist schon ein alter, sehr alter aber liebevoller Mensch. Seine Tochter war Mitte 50ig, sie holte ihn immer ab, wenn sie einkaufen gingen oder Hermann zum Arzt musste, denn er war schon sehr schwach auf den Beinen. Wenn Hermann die Wohnung verließ wollte ich immer mit ihm mit aber Hermannn´s Worte waren immer die gleichen „Sir Lanzelot bleib schön hier und warte auf mich, ich komme bald wieder zurück“.    

Das Schicksal nimmt seinen Lauf

Jeder Tag mit Hermann war ein toller Tag, wir speisten gemeinsam zur selben Zeit, machten es uns auf dem Couchsessel gemütlich und schauten gemeinsam fern oder hörten stundenlang klassische Musik, also ich schlief die meiste Zeit auf seinem Schoß, während er mein Fell sanft streichelte. Er redete viel mit mir, erzählte mir Geschichten aus seinem Leben, ich hörte ihm gerne zu und fühlte mich sehr wohl. Tage, Wochen vergingen und wie aus dem nichts spürte ich, dass etwas mit Hermann nicht in Ordnung war. Seine Tochter holte ihn jetzt öfter ab und Hermann ließ mich oft für ein paar Stunden alleine, doch seine Worte waren immer die gleichen „Sir Lanzelot, ich bin bald wieder zurück“.

Ich merkte das Hermann immer schwächer wurde, eines Nachts erschrak ich, als Hermann einen schrecklichen Hustenanfall bekam, er stand auf und eilte in die Küche, er wollte ein Glas Wasser trinken, ich war besorgt und lief ihm hinterher. Auf einmal brach er zusammen und er lag vor mir am Boden, ich wusste nicht was ich machen sollte. Ich lief zur Tür, kratze und miaute wie wild, aber es hörte mich niemand. Ich lief zu Hermann zurück und schleckte sein Gesicht ab, aber er zuckte nicht, ich kuschelte mich fest an ihn, damit ich ihm etwas Wärme abgeben konnte. Nach einer Weile schlief auch ich ein. Ein plötzliches Geschreie ließ mich rasch aufschrecken, seine Tochter stürmte schreiend durch die Tür „Papa, Papa, oh mein Gott, Papa, was ist los, sag doch was?“

Ich miaute und miaute die Tochter an, sie schubste mich gereizt weg, aber ich konnte ja nichts dafür! Ich zuckte ängstlich zusammen, verkroch mich unter dem Tisch und zitterte am ganzen Körper, was war los mit Hermann!?!


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Eine einsame Nacht

Nach kurzer Zeit, stürmten auch zwei weitere Menschen in die Wohnung, sie packten ihn auf eine Trage und trugen ihn hinaus. Die Tochter folgte ihnen hastig. Ich kam aus meinem Versteck hervor und lief ihnen zur Tür nach, doch es machte nur einen lauten Krach und die Tür flog vor meiner Nase zu. Ich wartete vor der geschlossen Tür und weinte vor mich hin, wann kommt Hermann wieder, was ist bloß los mit ihm? Warum hat er sich nicht verabschiedet, dass machte er ja sonst auch immer. Es machte mich sehr traurig. Immer wieder sah ich auf die Türschnalle und lauschte den Geräuschen aus dem Treppenhaus, doch nichts, es herrschte Totenstille. Stunden vergingen und ich hatte mich keinen Meter von der Tür entfernt, Hermann kam noch immer nicht nachhause.

Es wurde schon langsam finster und mein Magen fing an zu knurren. Ich ging in die Küche, aber niemand war da um mir mein Essen zu machen, ein paar Reste befanden sich noch in meiner Futterschüssel, diese schleckte ich aus. Fürs erste dachte ich mir, das reicht, morgen früh ist Hermann sicher wieder da und macht uns wieder Frühstück, so wie jeden Tag.

Ich konnte es kaum abwarten und suchte mir für die Nacht ein gemütliches Schlummerplätzchen, ich ging ins Schlafzimmer wo ich immer schlief, Hermann hatte mir neben seinem Bett am Boden ein liebevolles kleines Nest gemacht, dort schlief ich besonders gut. Also schlüpfte ich in das Nest und schlief mit dem Gedanken an Hermann ein.

Der nächste Morgen

Am nächsten Morgen wachte ich auf und sprang ins Bett hoch, aber Hermann war nicht da, vielleicht war er schon in der Küche und machte uns Frühstück, ich sprang vom Bett hinunter und machte mich auf dem Weg in die Küche.

Ich schaute umher doch er war nicht da, ich lief ins Bad, ins Wohnzimmer, ich durchsuchte jeden Raum und miaute, so laut, damit er mich vielleicht hören konnte. Doch es war keiner da, ich war ganz alleine in der Wohnung.

Leise stampfte ich zurück in die Küche und sprang auf die Anrichte hoch, leider war hier nichts was ich essen konnte, ich sprang wieder hinunter und ging in die Speisekammer, da sah ich den großen Sack mit dem Trockenfutter am Boden stehen, das ist was für mich. Ich versuchte den Sack aufzubeißen, dann stieß ich ihn um, um ihn zu leeren, mhm… hab ich einen Hunger. Ich stopfte mir den Bauch voll, dass ich wieder müde wurde. Danach sprang ich auf den Couchsessel und schlief mit vollem Magen ein.

Tage vergingen und ich fühlte mich von Tag zu Tag einsamer, jeden Tag verweilte ich vor der Tür und starrte stundenlang auf die Türschnalle.

Ein letztes Wiedersehen

Eines Tages hörte ich in den frühen Nachmittagsstunden etwas, ich zuckte zusammen und schlüpfte, leise aus meinem Nest. Ich hörte meinen Namen „Sir Lanzelot wo bist du?“ Es war aber nicht Hermann, sondern seine Tochter die nach mir rief. „Sir Lanzelot hab keine Angst, wo bist du?“ Ich schaute vorsichtig um die Ecke, da sah ich sie und neben ihr eine Transportbox stehen. Sie streckte vorsichtig die Hand nach mir aus, ich ging langsam geduckt auf sie zu, sie streichelte mich und redete auf mich ein, „Sir Lanzelot es ist alles gut.“ Sie hob mich hoch und setzte mich in die Transportbox. Ich war sehr verängstigt und miaute leise vor mich hin. Wir verließen die Wohnung und stiegen in ein Auto. Nach kurzer Zeit stiegen wir auch schon wieder aus und betraten ein großes Gebäude, ich sah viele Menschen und es roch komisch.

Mit geschwächter Stimme hörte ich Hermann, „Sir Lanzelot mein Freund“. Die Tochter hob mich aus der Transportbox und setzte mich auf Hermanns Bett ab. Ich krabbelte über seinen Bauch hoch zum Gesicht, es war schön ihn zu spüren und ich schleckte sein Gesicht ab und schnurrte vor mich hin. Er sah mich an und streichelte mir schwach aber zärtlich über meinen Kopf, er wiederholte immer wieder „Sir Lanzelot mein Freund“, ich legte mich auf seine Brust und es dauerte nicht lange als ich spürte, dass sich sein Brustkorb nicht mehr hob und senkte. Ich war dankbar, dass ich noch einmal zu ihm durfte. Seine Tochter hob mich zitternd und mit Tränen in den Augen von ihm weg. Hermann konnte jetzt nicht mehr für mich da sein, ich werde ihn vermissen!

Aber was passiert jetzt mit mir…?


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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Wirklich rührend!

  2. Die Geschichte mit Sir Lanzelot, is echt lieb, traurig berührt einen….

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